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Auflösung
Jochen aus München, fragt:
Ist Rache süß?

Den Goldfisch des Ex ins Klo kippen, den Sportwagen des Bürofieslings zerkratzen oder dem Streber gefälschte Liebesbriefe zustecken: Rache ist süß, heißt es. Aber befriedigt es uns wirklich, wenn wir Rachegelüsten nachgeben?

Die Antwort der Redaktion lautet:

Urs Fischbacher, Neuroökonom am Department of Economics der Universität Konstanz: In gewisser Weise ist Rache tatsächlich süß. Wenn Leute sich rächen können, sind in ihrem Gehirn die gleichen Areale aktiv wie dann wenn sie eine Belohnung erwarten. Das konnten wir beobachten, indem wir die Gehirnaktivität von Probanden gemessen haben, während diese an einem ökonomischen Spiel teilnahmen.
Zu Beginn erhielten dabei beide Teilnehmer zehn Punkte. Der erste Spieler konnte dann entscheiden, ob er sein Kapital dem anderen gibt. Wenn er die Punkte an den Partner abtreten wollte, haben wir diese vervierfacht. In dem Fall hatte der Beschenkte fünfzig Punkte und der Geber nichts mehr. Nun konnte sich der  reiche Proband entweder fair oder unfair verhalten, indem er die Hälfte der Punkte an den ersten Spieler zurückgibt oder eben nicht. Zum Schluss haben wir die Punkte, die beide im Spiel gewonnen hatten, in Geld umgerechnet und den Teilnehmern ausbezahlt.

Bei unfairem Verhalten hatte der um seinen Besitz Betrogene ebr die Möglichkeit, sich nach dem Spiel zu rächen. Dazu erhielten die Probanden nochmal Zusatzpunkt, mit denen sie eine Strafe finanzieren konnten. Wie die Spieler ihre Rache ausleben konnten, haben wir variiert:  Eine Variante war, dass sie dem anderen Punkte abziehen konnten, aber für jeden Strafpunkt, mit einem halben eigenen Punkt bezahlen mussten. Eine andere Situation war, dass sie der anderen Person die Punkte gratis abziehen konnten. Und die Kontrollbedingung bestand darin, dass sie nur symbolisch strafen konnte - kostenlos, aber auch ohne Konsequenzen.

In den beiden Fällen, in denen sich die Spieler tatsächlich rächen konnten, war der Nucleus caudatus in ihren Gehirnen stärker aktiv, als in der Kontrollbedingung. Diese Region ist für Erwartung von Belohnung zuständig und auch aktiv, wenn wir beispielsweise wissen, dass wir Fruchtsaft erhalten oder schöne Bilder sehen. Unsere Teilnehmer erwarteten auch eine Belohnung, nämlich die Rache. Denn sie wussten, dass sie dem Anderen gleich sein unfaires Verhalten heimzahlen konnten.

War die Rache gratis, haben fast alle Teilnehmer die höchste Strafe gewählt. Anhand der Aktivität in ihrem Belohnungszentrum konnten wir sehen, wie stark sie die Rache genossen. Je zufriedener sie beim kostenlosen Strafen waren, desto höhere Sanktionen verteilten die Probanden auch dann, wenn sie für ihre Rache zahlen mussten. Die Aktivität des Nucleus caudatus motiviert uns offenbar dazu, dass wir stärker bereit sind, Geld auszugeben, um die Rache auszuleben. Tatsächlich haben - auch wenn es sie letztendlich Geld gekostet hat - fast alle Probanden mindestens ein bisschen gestraft. Im Schnitt haben sie etwa die Hälfte der Punkte eingesetzt, um zu strafen.

Ob Rache aber auch langfristig süß ist, ist schwer zu beantworten. Natürlich nimmt die Befriedigung durch den Racheakt mit der Zeit ab, aber das ist bei jeder Aktivität so. Wenn ich einen Braten gegessen hab, freut mich das zehn Tage später auch nicht mehr besonders. Ob sich das soziale Motiv der Rache abnutzt, ist dagegen eine andere Frage. Tatsächlich strafen und belohnen Leute weniger, wenn sie sehr oft an solchen Experimenten teilgenommen haben. Auf der anderen Seite sehen wir ja im täglichen Leben, dass Menschen immer wieder großzügig sind und unfreundliches Verhalten sanktionieren.

Aufgezeichnet von Hanna Drimalla

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