Skip to content. | Skip to navigation

 
 

Der Hypothalamus

Der Hypothalamus, das Kellergeschoss des Zwischenhirns, ist Kontrollinstanz für so wichtige Funktionen wie Fortpflanzung, Ernährung, Temperaturregulation und Zeitmessung. Er ist ein übergeordnetes Zentrum des autonomen Nervensystems.

Die unterste Etage, das Kellergeschoss des Zwischenhirns, wird als Hypothalamus – wörtlich also „Unterraum“, sprich: der Keller – bezeichnet. In einem Keller, das kennt man, sammelt sich im Lauf der Zeit so einiges an, und daher findet sich auch im Hypothalamus ein ganzes Sammelsurium von Strukturen und Funktionen. Vereinfachend kann man sagen, dass der vordere Hypothalamus vegetative Funktionen verrichtet. Der hintere Hypothalamus ist ein Bestandteil des limbischen Systems.

Aussehen und Bestandteile

Nach oben, zum Scheitel hin, markiert eine flache Furche in der Wand des dritten Ventrikels die Grenze des Hypothalamus gegen den dorsalen Thalamus. Unterhalb dieser Furche, in den Wänden des Zwischenhirns, liegen die hypothalamischen Kerngebiete.

Vorne, also stirnwärts, kann man an der Basis des Hypothalamus die Sehnervenkreuzung, das Chiasma opticum, sehen. Dahinter senkt sich im Boden des Zwischenhirns ein Trichter, das Infundibulum, herab. Am Ende seiner „Tülle“ hängt die Hypophyse. Noch weiter hinten, am Übergang zum Mittelhirn, wölben sich beiderseits der Mittellinie die Corpora mammillaria nach unten hin aus dem Boden des Hypothalamus hervor.

Funktionelle Inventur des Kellergeschosses

Der hintere Hypothalamus, der im Wesentlichen nur aus den Corpora mammillaria besteht, wird auch als der „markreiche“ Hypothalamus bezeichnet - weil er von dicken, "markhaltigen" Nervenfasern durchzogen wird. Es sind dies die Axone des Fornix, die zu den Corpora mammillaria ziehen, und deren Axone, die zum anterioren Thalamus aufsteigen. All diese Strukturen gehören zum limbischen System und dienen der Gedächtnisbildung.

Wesentlich heterogener geht es im vorderen, „markarmen“ Hypothalamus zu, der von dünneren Nervenfasern durchzogen wird. Hier liegen zahlreiche – also mehrere Dutzend – voneinander abgrenzbare Kerngebiete, die im Dienste des vegetativen Nervensystems stehen. Zudem ist dieser vordere Hypothalamus eine endokrine Drüse, die viele verschiedene Hormone produziert. Und nicht nur das, er ist auch vollgepackt mit Rezeptoren, an die Hormone anderer endokriner Drüsen binden.

Kurzum: Wir sind hier an einer der „Schnittstellen“ zwischen nervöser und hormoneller Regulation der Körperfunktionen. Einige „berühmte“ Kerngebiete sollten wir etwas genauer betrachten:

Da wäre zum Beispiel der Nucleus suprachiasmaticus: Nomen est omen– er liegt direkt über der Sehnervenkreuzung. Zudem erhält er direkte Eingänge von den Ganglienzellen der Netzhaut, ist also stets wohlinformiert, ob es draußen gerade Tag ist oder Nacht. Unter den diversen inneren Uhren des Organismus bildet er die „Master-Clock“, die Chef-Uhr. Denn in ihm tickt sozusagen das Netzwerk von Neuronen, das unseren eigenen Biorhythmus erzeugt und an den Tag-Nacht-Rhythmus anpasst.

Das Wichtigste in Kürze

Der Hypothalamus ist das Kellergeschoss des Zwischenhirns. Sein vorderer, markarmer Teil ist eine Schnittstelle zwischen dem Nervensystem und dem innersekretorischen System. Zugleich ist er das übergeordnete neuronale Kontrollzentrum des autonomen Nervensystems. Sein hinterer, markreicher Teil gehört zum limbischen System.

Weitere wichtige Kerne sind der Nucleus paraventricularis und der Nucleus supraopticus: Auch diese beiden liegen da, wo es die Namen vermuten lassen – am optischen Trakt bzw. gleich am Ventrikel, ganz in der Nähe des Sehnervs. Sie beherbergen Drüsennervenzellen: endokrine Neurone, die Hormone produzieren. Das Oxytocin und das Antidiuretische Hormon (ADH) nämlich. Und erneut sind die Namen Omen: ADH verringert die Menge des ausgeschiedenen Urins – fehlt es aufgrund einer Schädigung des Nucleus supraopticus, kommt es zum Diabetes insipidus. Hier wird auch unser Durstgefühl ausgelöst. Oxytocin heißt wörtlich: die „rasche Geburt“, denn das Hormon löst unter anderem die Wehen am Ende der Schwangerschaft aus. – Unter anderem, denn es hat nicht nur mit der Geburt, sondern auch mit den davor stattfindenden fortpflanzungsrelevanten Aktivitäten zu tun. So wird es beim Orgasmus ausgeschüttet – auch bei dem des Mannes – und ist körperlicher Nähe und Vertrauen dienlich. Auch dies ebenfalls beim Mann. Die Ausschüttung von Oxytocin beim Stillen des Kindes dagegen ist dem weiblichen Geschlecht vorbehalten.

Zahlreiche Kerne liegen in der Nähe der Öffnung des Trichters, des oben genannten Infundibulums. Da sie beiderseits davon kleine Höcker aufwerfen, nennt man diese Gegend das Tuber cinereum („grauer Höcker") und die Kerne entsprechend die „Tuber-Kerne“. Auch sie sind endokrine Drüsen. Sie produzieren Hormone – „Releasing-“, also auslösende und hemmende, „Inhibiting“-Hormone –, die wiederum den Hypophysenvorderlappen dazu veranlassen, seinerseits Hormone zu produzieren - oder es zu unterlassen. Zum Beispiel produziert der Nucleus infundibularis Dopamin, das als Inhibiting-Hormon die Freisetzung von Prolactin in der Adenohypophyse hemmt. Prolactin wiederum wirkt auf die Brustdrüse, es bewirkt dort die Milchbildung. Zellen in anderen Tuber-Kernen produzieren ein Releasing-Hormon namens „GnRH“, ausgeschrieben das „Gonadotropin-Releasing Hormone“. In Antwort auf dieses Hormon produziert der Vorderlappen der Hypophyse Gonadotropine, und die wieder regen Ovar und Hoden dazu an, die „eigentlichen“ Geschlechtshormone, nämlich Östrogen und Testosteron zu bilden. Außerdem spielt der Nucleus infundibularis gemeinsam mit dem Nucleus dorsomedialis hypothalami, der ein wenig oberhalb von ihm liegt, eine tragende Rolle für die Steuerung der Nahrungsaufnahme und des Stoffwechsels.

Der markarme Hypothalamus nimmt aber nicht nur – wie oben beschrieben – auf hormonellem Weg Einfluss auf die Körperfunktionen. Aus fast all seinen Kerngebieten steigen dünne Axone als Tractus hypothalamo-spinalis zum Rückenmark hinab. Sie enden dort in der Gegend, in der die motorischen Nervenzellen des autonomen Nervensystems sitzen, und nehmen so Einfluss auf die inneren Organe.

Kommentare
Zoom ins Gehirn
Zur Ansicht des Inhalts benötigen Sie Flash.
Hier erhalten sie den aktuellsten Flash-Player.
My Brain
Infos zum Beitrag
Datum:
23.08.2011
Wissenschaftliche Betreuung:
Prof. Dr. Horst-Werner Korf
Dieser Inhalt ist unter folgenden Nutzungsbedingungen verfügbar.
Vervielfältigung, Verbreitung und Abwandlung bzw. Bearbeitung mit Pflicht zur Namensnennung unter Ausschluss der kommerziellen Nutzung und ohne die Bedingung der Weitergabe zu den gleichen Lizenzkonditionen. Vervielfältigung, Verbreitung und Abwandlung bzw. Bearbeitung mit Pflicht zur Namensnennung unter Ausschluss der kommerziellen Nutzung und ohne die Bedingung der Weitergabe zu den gleichen Lizenzkonditionen. Vervielfältigung, Verbreitung und Abwandlung bzw. Bearbeitung mit Pflicht zur Namensnennung unter Ausschluss der kommerziellen Nutzung und ohne die Bedingung der Weitergabe zu den gleichen Lizenzkonditionen.
Fördern Sie guten Journalismus!

Top
Das limbische System steuert nicht allein das Gefühlsleben. Und es hat noch weitere Aufgaben.
Ohne Amygdala verliert der Mensch die Angst. Mit Amygdala erkennt er auch die Angst anderer.
Nur daumengroß reguliert der Hirnstamm die lebensnotwendigen Systeme des Körpers.
Das limbische System steuert nicht allein das Gefühlsleben. Und es hat noch weitere Aufgaben.
Brustkörperchen, die zwischen Hirnschenkeln liegen – mit wichtiger Rolle bei der ...
Nur daumengroß reguliert der Hirnstamm die lebensnotwendigen Systeme des Körpers.
Das könnte Sie auch interessieren!
Der Hirnscanner regt sich über bunte Karten auf – und lacht über einen Scanner im Scanner
Unternehmen setzen beim Marketing auf den Geruchssinn: Düfte sollen die Kunden an die ...
Lässt sich das Rätsel der Liebe durch Hormone und Aktivitäten im Gehirn erklären?
Eifersucht kann Beziehungen stärken und zerstören. Warum, das versuchen Forscher herauszufinden.
Musik weckt vielfältige Gefühle und Assoziationen und gilt als Form vorsprachlicher ...