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Auflösung
Pia F. via Internet, fragt:
Können Blinde im Traum sehen?

Die Träume der meisten Menschen sind bunt. Man sieht die Häuser, in denen man wohnt, die Menschen, mit denen man sich unterhält. Was aber ist mit Blinden? Gibt es auch Bilder in ihren Träumen?

Die Antwort der Redaktion lautet:

Professor Michael Wiegand, Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums München: Eine eindeutige Antwort gibt es darauf noch nicht. Man weiß, dass Menschen, die erst im Laufe ihres Lebens erblinden, weiterhin in Bildern träumen, wenn auch seltener. Wer jedoch nie sehen konnte, träumt vor allem mit seinen übrigen Sinnen. Tasten, Schmecken, Riechen - alle diese Empfindungen sind bei von Geburt an Blinden überrepräsentiert, während sie in den Träumen Normalsichtiger meist nur eine untergeordnete Rolle spielen. Bis vor kurzem ist man daher davon ausgegangen, dass diese Menschen keine visuellen Eindrücke im Traum haben.

Doch dann hat eine portugiesische Arbeitsgruppe von Geburt an blinde Kinder im Schlaflabor untersucht. Immer, wenn sie in der so genannten REM-Phase waren, wurden sie geweckt. Denn während des REM-Schlafs ist die Wahrscheinlichkeit am größten, dass man sich an das Geträumte erinnert. Die Wissenschaftler haben den Kindern Papier und Bleistift gegeben und sie gefragt, ob sie irgendetwas aus dem Traum aufmalen können. Tatsächlich waren einige Kinder in der Lage, etwas Gestalthaftes zu Papier zu bringen wie sehr einfache Strichmännchen, Formen, die wie Häuser aussahen, oder andere Gegenstände. Das war eine Sensation.

Ihr Gehirn kann offenbar aus den Informationen, die es vom Tasten und Hören, Riechen oder Schmecken bekommt, selbst einen visuellen Eindruck schaffen. Die dafür zuständigen visuellen Gehirnzentren sind bei ihnen meist noch intakt. Was den Blinden oft fehlt, ist die Leitung dorthin. Die Blinden wissen, wie sich ein Mensch anfühlt, wie groß und breit er ist. Auf diese Weise können sie eine Art Räumlichkeit erfahren. Diese Informationen aus der Gehirnregion für den Tastsinn, der somatosensorischen Hirnrinde, scheinen einige Menschen in eine Art visueller Empfindung umwandeln zu können. Dieser Eindruck gleicht dann ein wenig dem, was in der Realität zu sehen ist. Nur haben sie es nie wirklich gesehen. Tatsächlich hat man auf EEG-Aufnahmen bei einigen Blinden eine erhöhte Aktivierung der visuellen Rinde im Gehirn festgestellt. Das alles sind jedoch nur Hinweise. Was genau während des Traums im Gehirn von Blinden abläuft, was sie wahrnehmen, das lässt sich nicht mit Sicherheit beantworten. Zu wenige Studien haben sich bisher mit diesem Thema beschäftigt.

Aufgezeichnet von Nicole Simon

Und das waren die Antworten der User
09.08.2012 12:21 Uhr
maren andresen

Ja, falls die Person nicht von Geburt an blind ist, dann wird er im Traum vermutlich weiterhin auch visuell verarbeiten können, da er sich daran erinnert, wie Dinge aussehen.
Falls die Person von Geburt an blind ist, weiß sie zum einen nicht, wie etwas aussieht, hat also keine optischen Erinnerungen. Und zum anderen wird meines Wissens nach das Gehirnareal, das bei sehenden Menschen für die Verarbeitung optischer Reize zuständig ist, in seiner Funktion gewandelt und zur Verarbeitung von z. B. akustischen Reizen genutzt. Daher glaube ich nicht, dass von Geburt an Blinde Bilder in ihren Träumen haben.
Da der Traum ja auch der Verarbeitung von aufgenommenen Informationen, Reizen, Eindrücken dient, scheint es mir auch nicht relevant für einen Blinden, Bilder in Träumen zu verarbeiten.
10.08.2012 18:23 Uhr
Gizella ..

Ich sage ja !
Blinden, die früher gesehen haben, können sowieso , weil sie wissen von früher, wie Alles aussieht.

Blinden Menschen die noch nie gesehen haben haben besser ausgebildete vorstellungkräfte
Sie können zb ein Bild Machen davon ,wie die Welt ausschaut.(auch wenn diese Bilder nicht immer die Realität entschprächen)
Wenn sie etwas greifen können, geht das sicherlich leichter.
Mit Farben haben sie höchst wahrscheinlich schwerigkeiten.
11.08.2012 14:21 Uhr
Linus M

Ich stimme maren andresen weitestgehend zu; grundsätzlich kann man wohl sagen: War einmal ein visueller Input vorhanden, der bewusst wahrgenommen wurde, so kann auch die visuelle Vorstellungskraft erhalten bleiben. Demnach scheinen mir Traumbilder bei von Geburt an blinden Menschen eher unwahrscheinlich.
Das Argument, dass im Falle der "angeborenen" Blindheit Hirnbereiche, die normalerweise für die Verarbeitung visueller Reize zuständig sind, andere Aufgaben übernehmen, lässt sich allerdings auch auf Fälle "erworbener" Blindheit anwenden: Auch hier trifft schließlich kein visueller Input mehr im Hirn ein und ebenso könnten hier die jeweiligen Netzwerke nun abgebaut werden und so die Repräsentation anderer Sinnesorgane im Gehirn fördern.
Vielleicht haben also auch Menschen mit "erworbener" Blindheit nach längerer Zeit weniger Traumbilder im herkömmlichen Sinne, als eine normal sehende Person .

Da es hier aber offenbar um die bewusste und damit subjektive Wahrnehmung von Traumbildern geht, könnte man bei betroffenen Personen einfach mal nachfragen. Bestimmt gibt es hierzu bereits Studien.

Interessant wären vielleicht noch die Fälle von Rindenblindheit: Wenn nicht der primäre Seh-Apparat geschädigt ist, sondern nur einige der am sehen beteiligten Hirnbereiche, so kann eine bewusste Wahrnehmung ausbleiben, obwohl noch intuititiv auf die Umwelt reagiert wird. So könnte sich eine Person mit Rindenblindheit auch blind fühlen, ist aber dennoch in der Lage, Hindernissen (etwa ein Laternenpfahl) auszuweichen, als wären sie bewusst wahrgenommen worden.
Vielleicht "sehen" Menschen mit erworbener Rindenblindheit noch ein Leben lang Traumbilder und erhalten die visuelle Vorstellungskraft, da diesbzüglich eben noch immer ein Input vorhanden ist. Das ist schließlich nicht der Fall, wenn etwa die Augen geschädigt sind und somit gar keine visuellen Reize mehr wahrgenommen werden können, egal, ob bewusst oder unbewusst.

Die Frage, ob Blinde im Traum sehen können, dürfte also nur differenziert zu beantworten sein: Je nachdem, ob die Blindheit von Geburt an vorhanden ist, oder erst später eintritt, ob es sich um Rindenblindheit handelt oder um eine Schädigung des Auges und auch, wie viel Zeit nach eintritt der Blindheit vergangen ist - all dies bestimmt vermutlich, ob und wie intensiv Traumbilder auftreten können, oder ob andere Sinne stärker vertreten sind.









13.08.2012 15:01 Uhr
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