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Auflösung
Toni W. via Internet, fragt:
Können Frauen schlechter räumlich denken als Männer?

Frauen können nicht einparken und haben auch sonst größere Schwierigkeiten mit dem räumlichen Vorstellungsvermögen als das starke Geschlecht. Das Klischee ist bekannt. Doch trifft es tatsächlich zu?

Die Antwort der Redaktion lautet:

Antwort von Aljoscha Neubauer, Professor für Differentielle Psychologie, Universität Graz:

Es ist durchaus etwas dran an dem Klischee. Es gibt insgesamt drei Grundfähigkeiten des räumlichen Vorstellungsvermögens. Bei der Fähigkeit zur räumlichen Wahrnehmung und zur räumlichen Visualisierung schneiden Männer und Frauen ähnlich gut ab. So hat man etwa bei der Aufgabe, visuell einzelne Elemente aus einem komplexeren Gebilde herauszulösen, praktisch keine Geschlechterunterschiede gefunden.

Aber bei dem dritten Aspekt des räumlichen Vorstellungsvermögens schneiden Frauen tatsächlich in Tests bedeutend schlechter ab als Männer: Sie haben zumindest im Durchschnitt größere Probleme beim mentalen Rotieren, also im Geiste Gegenstände zu drehen. Diese Fähigkeit spielt etwa eine wichtige Rolle bei der Orientierung in fremden Städten oder wenn man mit mechanischen Geräten zu tun. Womit hängen diese Unterschiede nun zusammen?

Eine Erklärung ist die evolutionspsychologische, die so genannte Jäger-Sammler-Hypothese. Anders als die Frauen mussten sich die Männer vor Jahrtausenden viele Kilometer von ihrer Hütte entfernt orientieren, um Wild zu jagen. Dabei hätten sich - so die Theorie - die Männer evolutionär durchgesetzt, die über eine gute räumliche Orientierungsfähigkeit verfügt haben. Die Gene für diese Fähigkeit hätten sich über die Jahrtausende durchgesetzt und Männer daher einen bedeutsamen Vorteil beim räumlichen Denken. Gegen diese Hypothese spricht aber, dass sich der Geschlechterunterschied relativ leicht wegtrainieren lässt.

Unsere Arbeitsgruppe hat beispielsweise gezeigt, dass ein mehrwöchiges Training in Aufgaben zum mentalen Rotieren den Unterschied zum Verschwinden bringt. Auch Mädchen, die in ihrer Kindheit schon viele räumliche Herausforderungen hatten, beispielsweise schon früh den Weg zur Schule oder sogar zum Kindergarten meistern mussten, haben später einen kleineren oder gar keinen Nachteil gegenüber Männern. Offensichtlich handelt es sich also um einen antrainierten Unterschied. Frauen geraten im Laufe der Zeit stärker in Rückstand, weil sie als Kinder weniger draußen und weniger mit mechanischen Dingen spielen. Vielleicht werden sie auch in der Schule im räumlichen Denken weniger gefördert, weil die Lehrer in der Schule unbewusste Vorurteile haben und so Geschlechtsunterschiede weiter verstärken.

Hinzu kommt noch, dass Frauen nur dann größere Schwierigkeiten haben als Männer, wenn man die im Geiste zu rotierenden dreidimensionalen Gebilde in den Experimenten zweidimensional abbildet. Unsere Arbeitsgruppe hat zu diesem Aspekt ebenfalls eine Studie durchgeführt. Mit Hilfe einer Spezialbrille und einem 3D-Beamer ähnlich wie bei dem Film “Avatar” haben wir Freiwilligen Gebilde dreidimensional dargeboten. Und in diesem Fall sind die Geschlechterunterschiede verschwunden. Möglicherweise sind Frauen also gar nicht grundsätzlich schlechter im mentalen Rotieren, sondern lediglich in der Fähigkeit, dreidimensionale Gebilde aus einer zweidimensionalen Darstellung zu erkennen.

Zusammenfassend lässt ich sagen: Es gibt Unterschiede im räumlichen Denken zwischen Männer und Frauen, sie sind aber keineswegs genetisch fix.

Aufgezeichnet von Christian Wolf

Und das waren die Antworten der User
Linus M

Eigentlich ist es ja immer so, das ein Klischee auch einen wahren Kern hat, auch wenn der manchmal kaum noch zu erkennen ist. So dürfte es auch bei den geschlechtsspezifischen Unterschieden im räumlichen Denken sein: Vielleicht war es für die (männlichen) Jäger unter unseren Vorfahren wichtig, den Flug eines Steins oder eines Speers richtig abschätzen zu können. Im Gegensatz dazu war für die Frauen eine solche Fähigkeit nicht von Nöten, falls sie tatsächlich nicht an Jagden teilnahmen.
Das mag die einfachste (und sehr spekulative) Erklärung sein. Trotzdem weiß man nie, welchen Anteil unser Erbgut tatsächlich an der Fähigkeit zum räumlichen Denken hat, wie sie beim Erwachsenen menschen dann ausgeprägt ist.

Wenn also ein gravierender Unterschied zwischen Frauen und Männern bestehen sollte (und es ist dabei völlig egal, welche "Fähigkeit" man nun betrachtet), so ist nicht auszuschließen, dass hier auch viel Prägung durch die Umwelt im Spiel war. So wird ein Kind, dem man aufgrund seines Geschlechts von klein auf voreingenommen gegenübersteht, das natürlich bemerken. Wenn es in der Schule heißt "Mädchen können kein Mathe" und "Jungen können keine Fremdsprachen", so ist das wohl ein nicht zu vernachlässigender Einfluss. Es ist alles andere als motivierend, stets im Hinterkopf zu haben, dass man dies und das angeblich nicht könne.
So mögen geschlechtsspeziefische Unterschiede im räumlichen Denken zwar angeboren sein (das wäre dann der Urpsgrund des heutigen Klischees), doch müssen die lange nicht so gravierend sein, wie man es im Alltag erlebt, geschweige denn wie es in der Gesellschaft transportiert wird.





25.10.2012 21:53 Uhr
Gizella ..

Zwischen Frau und Mann gibt es nicht nur äusserliche, auch innerliche Unterschiede.Was bei der Mann fehlt, hat die Frau und umgekehrt.
(Frau +Mann = Ergänzung)
Der Natur hatte seine Gründe.....
Männer können vielleicht besser räumlich denken , obwohl ich glaube das die Frauen ziemlich aufgehohlt haben.

Was das autofahren betrifft, Männer fahren schneller, Frauen bauen wenige Unfälle.

.
26.10.2012 00:17 Uhr
My Brain
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