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Auflösung
Markus B. via Internet, fragt:
Wie halten Babys verschiedene Sprachen auseinander?

Nie wieder lernt man Sprachen so leicht wie als Baby. Doch warum kommen eigentlich zweisprachig aufwachsende Babys verbal nicht durcheinander?

Die Antwort der Redaktion lautet:

Professorin Barbara Höhle, Inhaberin des Lehrstuhls für Psycholinguistik mit dem Schwerpunkt Spracherwerb an der Universität Potsdam:

Bereits Neugeborene können Laut- und Rhythmus-Unterschiede von verschiedenen Sprachen wahrnehmen: Das "th" im Englischen ist halt etwas anderes als ein "eu" im Deutschen. So können Neugeborene beispielsweise Französisch von Englisch abgrenzen, Deutsch von Italienisch.

Sprachen zu unterscheiden, die hingegen einen sehr ähnlichen Rhythmus haben, etwa Deutsch von Holländisch oder Spanisch von Katalanisch, das ist schwieriger. Sprachen, die einen ähnlichen Rhythmus haben wie ihre Muttersprache, können einsprachig aufwachsende Babys erst nach etwa fünf Monaten voneinander unterscheiden. Babys, die von Geburt an mit zwei ähnlich klingenden Muttersprachen aufwachsen, gelingt es schon mit vier Monaten, diese voneinander zu unterscheiden. Das haben Babys gezeigt, die im Nordosten Spaniens geboren wurden und von Geburt an mit Spanisch und Katalanisch aufwuchsen. Diese Fähigkeit haben die zweisprachig aufwachsenden Kinder also den einsprachig aufwachsenden voraus: Sie können die lautlichen Unterschiede zwischen den Sprachen sehr gut erkennen.

Was genau im Gehirn der zweisprachigen Babys geschieht, weiß die Wissenschaft noch nicht. Es fehlen neurophysiologische Studien. Bislang wird bei den Experimenten hauptsächlich auf die Aufmerksamkeit der Babys geachtet: Dabei schauen sie auf einen bestimmten visuellen Reiz, zum Beispiel eine blinkende Lampe. Parallel bekommen sie eine Reihe von kleinen Texten vorgelesen. Wenn sie zum Beispiel längere Zeit Spanisch hören, nimmt die Aufmerksamkeit ab und sie wenden sich von dem visuellen Reiz ab. Wenn man dann zu Katalanisch wechselt, erhöht sich die Aufmerksamkeit wieder. Das ist also ein Indiz dafür, dass die Babys den Unterschied zwischen beiden Sprachen erkennen.

Spannend ist auch: Wie Erwachsene Spracheigenschaften wahrnehmen, hängt damit zusammen, welche Sprache sie als Babys gelernt haben. Das untersuche ich mit meinem Team gerade anhand von Deutschen und Franzosen. Im Deutschen werden Wörter stark betont, etwa auf der ersten Silbe wie bei "Tandem" oder auf der zweiten Silbe wie bei "Phantom". Im Französischen gibt es solche Wortbetonungen eher nicht. Deswegen ist es für französische Erwachsene schwierig, Betonungsunterschiede wahrzunehmen. Interessanterweise zeigen deutschsprachig aufwachsende Babys bereits mit sechs Monaten eine Hörvorliebe für zweisilbige Wörter mit der Betonung auf der ersten Silbe. Französischsprachig aufwachsende Babys haben das nicht, im Gegenteil: Wir haben festgestellt, dass sie mit neun Monaten weniger fähig sind, die Betonungsmuster zu unterscheiden, als mit sechs Monaten. Bei Babys, die zweisprachig mit Deutsch und Französisch aufwachsen zeigt sich aber kein Nachlassen dieser Fähigkeit. Sie können genauso wie einsprachige deutsche Babys die Betonungsunterschiede erkennen.

Betonungen sind also eine sehr wichtige Eigenschaft von Sprache, die Babys sehr früh erkennen. Das hilft ihnen, verschiedene Sprachen voneinander zu unterscheiden.

Aufgezeichnet von Franziska Badenschier

Und das waren die Antworten der User
Gizella ..

Am Anfang ordnen Babys Sprachen Personen zu.
zb. Wenn der Vater Englisch, die Mutter Deutsch spricht.

Später automatisirt sich. Dann brauchen sie 1-2 Wörter in bestimmte Sprache hören, und wissen sie schon ,das ist der Sprache die Mutter, oder der Vater.

Zusätzliche hilfe könnte eventuell, der Klang der Sprache sein . Wenn man verschiedene Sprachen (die man nicht versteht) anhört, sie unterscheiden sich . Jeder hört sich anders an. wie bei Musik , oder bei Gesang
01.10.2012 07:19 Uhr
Linus M

Die Frage erinnert mich an etwas, was der Herr Spitzer mal gesagt hat: Neuronale Netzwerke, die Gelerntes repräsentieren, sind im Prinzip wie Trampelpfade: erst sind sie schwer zu erkennen, doch je häufiger sie benutzt werden, desto stärker sind sie ausgeprägt. Außerdem wird jemand einen vorhanden Tramplepfad benutzen, auch wenn dieser ihn nur ein Stück weit in die Richtung bringt, in die er möchte.
Neuronal bedeutet das nichts anderes, als das früh gebildete Netzwerke stets die Grundlage für neu zu lernendes sind.
Eine Sprache, die man als Kleinkind lernt, wird also Grundlage, für alle anderen Sprachen, die man später noch zu lernen versucht. Und wenn das Konzept "Sprache" im Kleinkindalter nur in Form einer einzigen Muttersprache neuronale Manfestation erlangt, so ist dieses eine Sprachkonzept natürlich auch dominant beim Erlenen einer anderen Sprache - einfach weil das Denken immer über den Weg der Muttersprache führt.
Wenn man nun als Kleinkind zwei Sprachen erlernt, so ist keine dieser Sprachen so dominant wie im obigen Fall. Später sind dann etwa die Sprachen Deutsch und Französisch gleichermaßen repräsentiert, und das Netz aus gut ausgebauten neuronalen Trampelpfaden ist viel größer, als im Falle nur einer Muttersprache.

Vieleicht ist das auch gut mit der Aussprache zu verdeutlichen: Wenn man die Deutsche Sprache beherrscht, so wird es einem relativ schwer fallen, eine andere Sprache korrekt zu betonen. Wenn man aber als Mutterprachen Deutsch und Französisch beherrscht, so ist auch das Spektrum der Betonungen und Sprachmelodien größer, die man zu benutzen in der Lage ist. Die Aussprache einer driten Sprache ist dann vielleicht der Französischen ähnlich und damit leicht zu erlenern. Einem reinen Deutsch-Muttersprachler dürfte das schwerer fallen.







08.10.2012 23:52 Uhr
Gizella ..

Hallo Linus M

Sie sind sind fast die einzige, die ich bei die Kommentare "treffe".
Sie kennen sich gut aus. Haben Sie Etwas mit Forschung, oder mit Psychologie zu tun? Mir gefällt wie gut und verständlich Sie sich austrücken können. Ich wünschte ,Ich könnte es auch.
10.10.2012 07:09 Uhr
Linus M

Off-Topic:


Hallo Gizella,

Vielen Dank! Das freut mich sehr, dass sie mit meinen Antworten etwas anfangen können - gerade weil ich wirklich noch Laie auf dem Gebiet bin.

Genau aus diesem Grund ist bestimmt auch nicht alles korrekt, was ich hier so schreibe, also immer gerne hinterfragen! Es wäre doch mal schön, wenn auf die "Frage der Woche" auch eine Antwort aus dem Konsens der User entsteht. Dafür mangelt es hier vielleicht ein wenig an (disskussionsfreudigen) Teilnehmern - abgesehen von ihnen natürlich - aber vielleicht klappt das ja noch.
Also immer kritisch bleiben, Fragen sind häufig wichtiger als Antworten!

Gruß









13.10.2012 00:25 Uhr
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