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Hirnschau

Die Willensfreiheit - ein Irrtum?

Wolf Singer hält den freien Willen für nicht existent. John-Dylan Haynes fand in seiner Arbeit, dass das Bereitschaftspotenzial schon weit vor der einer Handlung messbar ist. Beide nehmen Stellung auf einer Veranstaltung des Bernstein Centers.

Kommentare
Linus M

Die Diskussion um den Dualismus von Gehirn und Geist wird wohl niemals gänzlich zur Ruhe kommen, da es wie bei allen Theorien eben nicht den ultimativen Beweis geben kann. Wie im Video dargelegt, gibt es immer nur Experimente, deren Ergebnisse mit der Theorie des determinierten Gehirns vereinbar sind und diese bestätigen.

Auch wenn ich Herrn Singers Argument, dass das Gehirn eben keine zufälligen Entscheidungen treffen darf (einmal läuft man vor dem Tiger davon, ein anderes mal nicht - so ein Gehirn hätte sich unmöglich evolvieren können) für sehr stark halte. Kurz gesagt: Unsere Lernfähigkeit ist eigentlich nicht mit zufälligen neuronalen Prozessen vereinbar. Und wenn alle neuronalen Verarbeitungsschritte kausaler Natur sind, so wäre eine immaterielle Entität wie die Seele irrelevant.
Doch da scheiden sich vermutlich die Geister. (Oder, um konsequent zu bleiben: Die Gehirne unterschiedlicher Personen produzieren unterschiedliche Meinungen, was dieses Thema angeht.)

Dass allerdings die Frage nach der Verantwortung unter der Voraussetzung eines determinierten Gehirns nicht zu beantworten wäre, ist ein Fehlschluss. Wenn man jemanden für seine Handlungen belohnt oder bestraft ist das immer ein Einfluss, der die zukünftigen Entscheidungen des Individuums beeinflusst. Wenn man also jemanden ins Gefängnis sperrt, weil er ein Verbrechen begangen hat, wird er es nach seiner Freilassung wahrscheinlich nicht wieder begehen. Anders gesagt: Sein Gehirn wurde durch die Bestrafung dahingehend verändert, dass es in Zukunft nicht mehr die Entscheidung produziert, besagte Straftat zu begehen.



15.12.2012 17:02 Uhr
Marja B.

Auch auf die Gefahr hin, dass ich nun eine völlig bescheuerte Frage stelle, traue ich mich mal: etwa bei Minute 7:40 erklärt Herr Haynes ein Experiment aus den 70er Jahren - zwei Gruppen, eine Filmvorführung, zwei Lautstärken. Ergebnis: der laute Projektor beeinflusst die Bewertung des Films negativ.
Ich frage mich allerdings, wie man zu diesem Schluß gelangen kann? Was, wenn in der Gruppe, die den lauten Projektor ertragen musste, nun eben einfach Menschen saßen, die den Film tatsächlich schlechter fanden? Eigentlich müsste man ja vor der Vorführung das Films schon festlegen, wie das Ergebnis hinterher aussehen müsste - und wenn es dann Abweichungen gibt, liegt es wahrscheinlich an der Lautstärke. Aber solch eine Voraussage lässt sich ja nicht treffen. Daher fällt es mir schwer, das Ergebnis des Experiments ernst nehmen zu können.
Vielleicht fehlen mir aber auch einfach ein paar Rahmenbedingungen oder mir fehlt grundsätzlich das Verständnis dafür, wie solche Experimente ablaufen. Dann wäre ich für eine weitere Erklärung dankbar :)
17.12.2012 14:04 Uhr
Re: Antwort auf Kommentar von   Marja Biecker
Linus M

Hallo Marja,

Gizella ist ja schon auf den Versuch eingegangen, aber hier noch eine kleine Ergänzung - auch wenn ich zugeben muss, das Experiment nicht genauer zu kennen. Aber was die Schlüsse angeht, die man aus einem Experiemnt ziehen kann, so gibt es wohl immer die Problematik, die sie ansprechen: Man kann sich niemals hundertprozentig sicher sein, dass die Interprettionen der Ergebnisse richtig sind.
Man geht schlicht davon aus, dass unterschiedliche Ergebnisse von Versuchsaufbauten, die sich nur in einem Faktor unterscheiden (in diesem Fall die Lautstärke des Projekors), auch auf diesen Faktor zurückzuführen sind. Das muss nicht zwingend richtig sein, denn wie sie selbst schreiben, ist es durchaus möglich, dass alle Probanden in der "Projektor laut" - Gruppe den Film tatsächlich auch dann schlechter gefunden hätten, wenn sie ihn ohne Störgeräusche hätten schauen können. Allerdings ist das sehr unwarscheinlich.
Und genau darum geht es: um Warscheinlichkeiten. Aus diesem Grund versucht man ja auch möglichst große Gruppen von Testpersonen bei solchen Versuchen zusammenbekommen, um ein möglichst aussagekräftoges Ergebnis zu bekommen. Wenn man die Gruppen A und B mit nur jeweils 2 Personen, den Film ohne, bzw. mit Störgeräuschen zeigt, so würde die Meinung einer Person, die etwa den Film grundsätzlich schlecht findet, sehr schwer wiegen. Sie hätte also einen großen Anteil am Gesamtergebniss. Je größer aber die Testgruppen sind, desto weniger fallen solche Meinungen ins Gewicht und desto eher lässt soch der betrachtete Faktor (die Projekotlautstärke) auf das Verhlaten der Probanden beziehen. Individuelle Verhaltensweisen werden so quasi ausgebügelt und ein für die Allgemeinheit represäntatives Ergebis produziert.

Aber mal ganz abgesehen davon finden selbst die probanden, die generell keine gute meinung von dem Film haben, diesen sicher noch schlechter, wenn der laute projektor im Hintergrund läuft. Somit wäre auch hier ein Unterschied vorhanden, der höchstwarscheinlich signifikant war.

Dennoch, egal bei welchen Experimenten, geht es eigentlich immer nur um Warscheinlichkeiten - auch wenn die im besten Fall an eine 100 prozentige Sicherheit grenzen mögen, erreichen können wir diese nie. Aber das müssen wir glücklicherweise auch nicht, um gute Modelle aufstellen zu können. Und nur darum geht es ja eigentlich.

Gruß
19.12.2012 00:15 Uhr
Gizella ..

Hallo Marja.B

Ich weiß es nicht, aber ich glaube, dass so ein Experiment so abläuft:

50 Läute sitzen im Kino. Der Projektor wird werend der Film lautgestellt. Wenn zb.40 Leute den film schlecht fanden, dann kann sein, dass der Film schlecht ist.
Wenn aber bei einer zweiter Versuch mit 50 Leute in dem der Projektor leiser gestellt wird und 40 Leute dem Film gut fanden, dann hat das mit der Lautstärke zu tun.
Ps: Leiser Töne, leiser Musik wirken entspannend.
Wenn leisere Töne entspannend wirken, müssten laute Töne das gegenteil bewirken.Denke ich.
18.12.2012 05:24 Uhr
Gizella ..

Ein seehr interessanter Diskussion. Ich bin beeindruckt.
Die Argumente von Herr Wolf Singer, wie von Herr John -DylanHaynes finde ich unglaublich interessant. Ich finde keine Worte.
 WOW !!! Danke Herr Dr. Christian Wolf
18.12.2012 05:38 Uhr
Gizella ..

Hallo Marja,
Linus hat es richtig ergänzt. Nach meine beschreibung könnte man nur mit 80 % sicherheit sagen, dass lauter Lautstärke negativ beeinflusst hat . Erst bei 100% , knn man sicher sein. Vielen Dank an Linus.

ps: Ist da Jamanden aufgefallen, dass wir von der eigentlicher Thama abgekommen sind? ;-)))
19.12.2012 07:23 Uhr
Gizella ..

Hallo Marja,
Ich warte immer noch auf eine Zeichen von ihnen.
Sind sie zu frieden mit unseren Antworten?Frau Linus und ich haben uns bemüht.
Ein Okay reicht, falls sie keine Zeit haben.
Liebe Grüße :-)
21.12.2012 10:27 Uhr
Gizella ..

Upps...!
Herr Linus, ich muss mich bei ihnen entschuldigen. Vorcher habe ich " Frau Linus" geschrieben. Ich weiß nicht wie das passieren konnte, denn ich habe eh nochmal gelesen bevor ich abgesendet habe. Peinlich !!! :-(
Ps:
Anfangs, als ich ihrer Kommentare gelesen habe, dachte ich, das sie eine Frau sind.
Dann habe ich nachgeschaut, und gesehen, dass das nicht stimmt.
Vielleicht hat sich der erster Eindruck bei mir unbewusst gespeichert.
21.12.2012 10:47 Uhr
Re: Antwort auf Kommentar von   Gizella ..
Linus M

Hallo Gizella,
Das ist doch kein Problem und passt zudem noch wunderbar zum neuen Themenschwerpunkt!
Ihr erster Eindruck baut auf ihren Erfahrungen und ist damit vielleicht (offenbar?) stärker als das frisch erworbene Wissen. Nun kann man fragen, was hätte passieren müssen, damit das neue Wissen ("Herr..." und nicht "Frau...") besser hängen bleibt?

Aber, wie einige jetzt sagen würden: Sie können ja ohnehin nichts für ihren Irrtum, da wir ja alle determiniert sind...oder etwa nicht?
02.01.2013 20:29 Uhr
Gizella ..

Hallo Linus,
Für mich ist es schon ein Problem.
Wäre ich mit meine anfänglicher Eindruck richtig gelegen, könnte man fragen ,wie ich dazu gekommen bin.
Aber so, ist es nur peinlich.
05.01.2013 21:49 Uhr
Stefan Pschera

These:
Der Wille entscheidet zwischen Handlungsalternativen. Der Wille generiert selbst nicht.

Beispiele:
- diese oder jene Frucht nehmen
- den Weg links oder rechts gehen
- bei Hunger essen oder dieses verkneifen wegen Gewichtsprobleme

Folgerungen:

- Ständig wird der Wille aufgefordert zu entscheiden
- ohne Wille wäre es ein Zappeln am motorischen Ausgang
- ist eine Handlungsalternative entschieden, kann der Wille nicht mehr stoppen, Beispiel: Drücken einer falschen Taste auf dem Telefon, ob dies noch bemerkt wird.
- indem der Wille Handlungen auswählt, verändert dieser das Gehirn. Z.B. weniger Essen, immer den rechten Weg wählen. Die anderen Handlungsalternativen verblassen, stehen nicht mehr zur Disposition
09.11.2014 11:16 Uhr
Infos zum Beitrag
Datum:
14.12.2012
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