Die Hypophyse

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Die Hirnanhangdrüse hängt tatsächlich unten am Hirn. Einst wurde sie verdächtigt, den Nasenschleim zu produzieren. Doch heute weiß man um ihre wahren Aufgaben: Sie regelt als endokrines Organ überlebenswichtige homöostatische Prozesse. Das macht sie zur Königin der Hormon bildenden Drüsen.

Wissenschaftliche Betreuung: Prof. Dr. Horst-Werner Korf

Veröffentlicht: 21.03.2025

Niveau: mittel

Kurz und knapp

Die nur bohnengroße Hirnanhangsdrüse hängt unten am Gehirn. Die Hormone, die in ihr teils produziert, teils nur freigesetzt werden, besorgen die Balance, die Homöostase der Stoffwechselvorgänge.

Homöostase

Homöostase/-/homeostasis

Die Homöostase ist die Fähigkeit eines Organismus, innere Bedingungen wie die des Stoffwechsels, der Körpertemperatur, des Blutdrucks usw. relativ konstant zu halten. Die Aufrechterhaltung der Homöostase wird vom autonomen Nervensystem gesteuert, der Mensch kann also willentlich nicht direkt auf seine Regulierung Einfluss nehmen.

Hypophyse — das ist griechisch und heißt wörtlich: der „Unterkörper”. Auf Deutsch nennt man sie Hirnanhangdrüse, auf Latein heißt sie „Glandula pituitaria”. Das ist lustig. Wirklich. Denn „pituita” heißt „Schnupfen” und die Hypophyse ist damit die Schnupfendrüse. Denn noch bis ins 18. Jahrhundert glaubte man, sie sei für die Produktion des Nasenschleims verantwortlich. Ist sie aber nicht. Stattdessen ist sie eine endokrine Drüse, ein Organ, das Hormone ins Blut entlässt. Auf diese Weise reguliert sie mannigfaltige Körperfunktionen und tatsächlich könnte man die Hypophyse sogar als Königin der Drüsen bezeichnen. Sie ist unersetzlich: Ihr Verlust bedeutet den Tod, denn ohne sie bricht unsere „Homöostase”, das fein balancierte Gleichgewicht unseres Stoffwechsels, zusammen.

Hypophyse

Hypophyse/-/pituitary gland

Die Hypophyse ist eine wichtige Hormondrüse im Körper. Sie hängt wie ein Tropfen unterhalb des Hypothalamus und ist nicht größer als eine Erbse. Die Hypophyse besteht aus zwei Teilen, dem Hypophysenvorderlappen (Adenohypophyse) und dem Hypophysenhinterlappen (Neurohypophyse). Der Vorderlappen der Hypophyse hat die besondere Eigenschaft, teilweise von der Blut-Hirn-Schranke ausgenommen zu sein, um Hormone direkt ins Blut abzugeben.

Zweigeteilt in Gestalt und Funktion

Die Hypophyse hängt an einem hauchzarten, kaum millimeterdicken und dazu noch hohlen Stiel – dem Hypophysenstiel oder Infundibulum – unten an der Basis des Zwischenhirns. Der Drüsenkörper selbst ist knapp bohnengroß. Er liegt in einer knöchernen Wanne im Zentrum des Schädels, die man wegen ihrer Ähnlichkeit mit altmodischen, hölzernen Pferdesätteln den Türkensattel nennt. Der Drüsenkörper der Hypophyse besteht aus zwei Teilen – dem noch weiter unterteilten Vorderlappen (Lobus anterior) und dem weitestgehend homogenen Hinterlappen (Lobus posterior).

Hypophyse

Hypophyse/-/pituitary gland

Die Hypophyse ist eine wichtige Hormondrüse im Körper. Sie hängt wie ein Tropfen unterhalb des Hypothalamus und ist nicht größer als eine Erbse. Die Hypophyse besteht aus zwei Teilen, dem Hypophysenvorderlappen (Adenohypophyse) und dem Hypophysenhinterlappen (Neurohypophyse). Der Vorderlappen der Hypophyse hat die besondere Eigenschaft, teilweise von der Blut-Hirn-Schranke ausgenommen zu sein, um Hormone direkt ins Blut abzugeben.

posterior

posterior/-/posterior

Eine Lagebezeichnung – posterior bedeutet „nach hinten, hinten gelegen“. Im Bezug auf das Nervensystem handelt es sich um eine Richtung zum Schwanz hin.

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Ein Teil Gehirn

Der Hinterlappen, auch Neurohypophyse genannt, ist ein Teil des Gehirns. Er ist es, in den sich der dünne Hypophysenstiel, der aus dem Zwischenhirn kommt, fortsetzt. In diesem Hypophysenstiel verlaufen Axone von Drüsennervenzellen, deren große Zellkörper im vorderen Hypothalamus, in den Nuclei paraventiculares und supraoptici (magnocellulärer Hypothalamus) liegen. Entlang dieser Nervenfasern gelangen die von den Drüsennervenzellen produzierten Hormone in die Neurohypophyse (axonaler Transport), wo sie in die Blutbahn entlassen werden. 

Die Drüsennervenzellen stellen zwei Hormone her: das antidiuretische Hormon (ADH) und Oxytocin. ADH reguliert die Nierenfunktion, und damit den Wasserhaushalt. Oxytocin hat eine Vielzahl von Funktionen, die zumeist mit der Vermehrung zu tun haben: Es bewirkt die Kontraktion der Gebärmutter bei der Geburt, das Einschießen der Milch in die weibliche Brust, wird aber auch beim Orgasmus beider Geschlechter freigesetzt. Es soll auch erhebliche psychogene Wirkungen haben. So macht es uns zu Zärtlichkeiten geneigt und beeinflusst das Bindungsverhalten.

Neurohypophyse

Neurohypophyse/-/neurohypophysis

Die Neurohypophyse ist der hintere Lappen der Hypophyse. In ihr werden die im Hypothalamus gebildeten Hormone Oxytocin und Vasopressin gespeichert und bei Bedarf ins Blut abgegeben.

Hypothalamus

Hypothalamus/-/hypothalamus

Der Hypothalamus gilt als das Zentrum des autonomen Nervensystems, er steuert also viele motivationale Zustände und kontrolliert vegetative Aspekte wie Hunger, Durst oder Sexualverhalten. Als endokrine Drüse (die – im Gegensatz zu einer exokrinen Drüse – ihre Hormone ohne Ausführungsgang direkt ins Blut abgibt) produziert er zahlreiche Hormone, die teilweise die Hypophyse hemmen oder anregen, ihrerseits Hormone ins Blut abzugeben. In dieser Funktion spielt er auch bei der Reaktion auf Schmerz eine wichtige Rolle und ist in die Schmerzmodulation involviert.

Hormon

Hormon/-/hormone

Hormone sind chemische Botenstoffe im Körper. Sie dienen der meist langsamen Übermittlung von Informationen zwischen Organen und Zellen, z.B. der Regulation des Blutzuckerspiegels. Viele Hormone werden in Drüsenzellen gebildet und in das Blut abgegeben. Am Zielort, z.B. einem Organ, docken sie an Bindestellen an und lösen Prozesse im Inneren der Zelle aus. Hormone haben eine breitere Wirkung als Neurotransmitter, sie können verschiedene Funktionen in vielen Zellen des Körpers beeinflussen.

Oxytocin

Oxytozin/-/oxytocin

Oxytocin ist ein Hormon, das im Nucleus paraventricularis und Nucleus supraopticus des Hypothalamus gebildet wird und über den Hypophysenhinterlappen ins Blut ausgeschüttet wird. Es initiiert die Wehentätigkeit bei der Geburt und unterstützt den Milchspendereflex beim Stillen. Außerdem wird es beim Orgasmus freigesetzt. Oxytocin kann Vertrauen fördern und die Paarbindung stärken, jedoch zeigen neuere Erkenntnisse, dass seine Effekte komplexer sind und in bestimmten Kontexten auch Abgrenzung gegenüber fremden Gruppen (out-groups) begünstigen können.

Ein Teil Rachen

Der Hypophysenvorderlappen, auch Adenohypophyse genannt, ist kein Hirnteil, sondern wächst der Neurohypophyse aus dem Dach des Rachens von unten her entgegen. Er war ursprünglich – also in der Stammesgeschichte – eine mit dem Verdauungsapparat assoziierte Drüse, die zur endokrinen Drüse „umgebaut” wurde.

Der weitaus größte Teil des Vorderlappens, die Pars distalis, besteht aus lauter kleinen Nestern von Drüsenzellen, die von sehr vielen Blutgefäßen umsponnen sind. Die Drüsenzellen produzieren eine Vielzahl von Hormonen, die entweder andere endokrine Drüsen im Körper dirigieren (glandotrope Hormone) oder aber direkt an nichtendokrinen Körperzellen (Knochen/Muskulatur/Leber) angreifen, die so genannten Effekthormone. Zu dieser zweiten Gruppe gehören das Somatropin, das unter anderem an Knochen wirkt und das Körperwachstum steuert, sowie das Prolactin, das Wachstum und Milchproduktion in der Brustdrüse anregt. Zu den Glandotrope Hormone zählen das Thyroideastimulierende Hormon (TSH), das die Schilddrüse steuert, das Follikelstimulierende (FSH) sowie das Luteinisierende Hormon (LH), die beide auf endokrine Zellen in Hoden und Ovar wirken, und das Adrenocorticotrope Hormon (ACTH), das die Funktion der Nebennierenrinde reguliert.

Und wer kontrolliert die Kontrolleure? Diese Aufgabe kommt wiederum dem Gehirn zu. Im Hypothalamus, in der Nähe der Anheftungsstelle des Hypophysenstiels, sitzen weitere, relativ kleine Drüsennervenzellen, die den parvozellulären Hypothalamus bilden und durch so genannte Releasing- und Inhibiting-Hormone die Aktivität der endokrinen Zellen der Pars distalis steuern, sie also fördern oder hemmen. Um diese Hormone aus dem Hypothalamus gezielt in die Pars distalis zu transportieren, gibt es am oberen Ende des Hypophysenstiels, in der Eminentia mediana, ein spezialisiertes Gefäßsystem, den portalen Kreislauf der Hypophyse. Über diesen werden die Releasing- und Inhibiting-Hormone dem Hypophysenvorderlappen zugeführt.

Die Pars intermedia des Vorderlappens ist ein dünnes, blattartiges Gewebestück an der Hinterfläche der Pars distalis, das jene von der Neurohypophyse trennt. Die Pars intermedia ist – anders als die Pars distalis – fast frei von Blutgefäßen. In ihr finden sich, ebenfalls anders als in den übrigen Abschnitten der Hypophyse, kleine Drüsenfollikel: kleine Bläschen, die von Drüsenzellen umgeben sind, die Endorphine und Melanozytenstimulierendes Hormon (MSH) produzieren.

Die Pars tuberalis ist ein kleiner, fingerförmiger, zum Hirn hin gerichteter Fortsatz des Vorderlappens, der sich an den Hypophysenstiel anlagert. Ähnlich wie eine Zellpopulation der Pars distalis bildet auch die Pars tuberalis TSH, dessen Freisetzung allerdings nicht durch das Thyreoidea-stimulierendem Hormon (TRF), ein Releasing-Hormon aus dem parvozellulären Hypothalamus, gesteuert wird, sondern durch Melatonin, das Hormon der Epiphyse. Daher ist die Pars tuberalis extrem dicht mit Rezeptoren für Melatonin besetzt. Die Pars tuberalis steuert saisonale, also von der Jahreszeit abhängige Prozesse. 

Die Funktion der Pars tuberalis wird bei Tieren besonders deutlich: Hier steuert sie das saisonale Fortpflanzungsverhalten, indem sie durch TSH-Signale zum Hypothalamus hin die Freisetzung des Releasing-Hormons für FSH und LH aus der Pars distalis bewirkt. Die Pars tuberalis bildet darüber hinaus auch Endocannabinoide, die an der Steuerung der Prolactin-Freisetzung aus der Pars distalis beteiligt sein könnten. Die Funktion der Endocannabinoide der Pars tuberalis muss allerdings noch weiter erforscht werden.

Adenohypophyse

Adenohypophyse/-/anterior pituitary

Die Adenohypophyse ist eine Drüse und wird auch als „Hypophysenvorderlappen“ bezeichnet. Die Adenohypophyse bildet Hormone wie bspw. Prolaktin und gibt sie direkt in das Blut ab, sie ist also endokrin. Somit ist sie an der Regulation zahlreicher physiologischer Prozesse beteiligt. Zusammen mit der Neurohypophyse, die einen Teil des Gehirns darstellt, bildet sie die Hypophyse. Die beiden Systeme sind über eine Kontaktfläche eng miteinander verknüpft.

Neurohypophyse

Neurohypophyse/-/neurohypophysis

Die Neurohypophyse ist der hintere Lappen der Hypophyse. In ihr werden die im Hypothalamus gebildeten Hormone Oxytocin und Vasopressin gespeichert und bei Bedarf ins Blut abgegeben.

Hormon

Hormon/-/hormone

Hormone sind chemische Botenstoffe im Körper. Sie dienen der meist langsamen Übermittlung von Informationen zwischen Organen und Zellen, z.B. der Regulation des Blutzuckerspiegels. Viele Hormone werden in Drüsenzellen gebildet und in das Blut abgegeben. Am Zielort, z.B. einem Organ, docken sie an Bindestellen an und lösen Prozesse im Inneren der Zelle aus. Hormone haben eine breitere Wirkung als Neurotransmitter, sie können verschiedene Funktionen in vielen Zellen des Körpers beeinflussen.

Hypothalamus

Hypothalamus/-/hypothalamus

Der Hypothalamus gilt als das Zentrum des autonomen Nervensystems, er steuert also viele motivationale Zustände und kontrolliert vegetative Aspekte wie Hunger, Durst oder Sexualverhalten. Als endokrine Drüse (die – im Gegensatz zu einer exokrinen Drüse – ihre Hormone ohne Ausführungsgang direkt ins Blut abgibt) produziert er zahlreiche Hormone, die teilweise die Hypophyse hemmen oder anregen, ihrerseits Hormone ins Blut abzugeben. In dieser Funktion spielt er auch bei der Reaktion auf Schmerz eine wichtige Rolle und ist in die Schmerzmodulation involviert.

Inhibiting-Hormone

Inhibiting-Hormone/-/inhibiting hormones

Im Hypothalamus produzierte Hormone, die die Freisetzung von weiteren Hormonen aus der Adenohypophyse (Teil der Hypophyse) hemmen.

Hypophyse

Hypophyse/-/pituitary gland

Die Hypophyse ist eine wichtige Hormondrüse im Körper. Sie hängt wie ein Tropfen unterhalb des Hypothalamus und ist nicht größer als eine Erbse. Die Hypophyse besteht aus zwei Teilen, dem Hypophysenvorderlappen (Adenohypophyse) und dem Hypophysenhinterlappen (Neurohypophyse). Der Vorderlappen der Hypophyse hat die besondere Eigenschaft, teilweise von der Blut-Hirn-Schranke ausgenommen zu sein, um Hormone direkt ins Blut abzugeben.

Endorphine

Endorphine/-/endorphins

Abkürzung für endogene Morphine, also für Morphine, die vom Körper selbst gebildet werden. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Unterdrückung und Linderung von Schmerzen. Auch an Euphorie (Hochgefühl) sind sie beteiligt.

Releasing-Hormon

Releasing-Hormon/-/releasing hormone

Hormone des Hypothalamus, die die Freisetzung von weiteren Hormonen in der Adenohypophyse fördern.

Epiphyse

Zirbeldrüse/Glandula pinalis/pineal gland

Die Epiphyse (Zirbeldrüse) ist ein unpaariger Bestandteil des Epithalamus (Teil des Zwischenhirns). Es handelt sich um eine Drüse, die Melatonin ausschüttet. Über die Epiphyse wird unter anderem die „innere Uhr“ gesteuert.

Melatonin

Melatonin/-/melatonin

Melatonin ist ein Hormon, das bei Dunkelheit von der Zirbeldrüse im Gehirn freigesetzt wird. Die Melatoninkonzentration ist in der Nacht am höchsten und nimmt dann im Laufe des Tages ab. Damit ist es ein wichtiger Botenstoff der „inneren Uhr“ und scheint besonders an der Steuerung des Schlafes beteiligt zu sein.

Erstveröffentlichung am 23. August 2011
Letzte Aktualisierung am 21. März 2025

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